Das Wort „Krise“ beherrscht immer noch die Schlagzeilen, blockiert die Gespräche und Gedanken der Erwachsenen. Es bleibt wenig Platz für Träume und Phantasie.
Schlafwandlerisch führte mich der Weg zu einem der meistgelesenen Bücher der Welt: „Le Petit Prince“. Auf der Stoffmesse in Paris erzählte ich den Stoffdesignern davon, und wir begannen gemeinsam nach Materialen zu suchen: Wüste, Tuareg, glitzernder Sand, flimmernde Hitze. Weiß, tiefes Blau, Erdtöne. Schimmerndes Silbergold. Die Sandrose, ein bizarres Kristallgebilde der Sahara, wurde zum Motiv. Sie bildet sich, wenn Wassertropfen auf über 50°C heißen Sand fallen.
… Und wir haben sie gefunden, die Materialien, die die Phantasie wieder freisetzen und die lauten düsteren Nachrichten ausblenden: glitzernde Pailletten Blüten, die mit den Sonnenstrahlen spielen; schwere ausgefranste Baumwollkreise, die an Wüsten Karawanen erinnern. Weiße Tupfer auf nachtblau wie die Wolken am Himmel über der Sahara. Ornament und schlichte Baumwolle. Die Knöpfe aus Büffelhorn sehen aus, als wären sie abends am Lagerfeuer geschnitzt. Die Ledergürtel wie dünnes Zaumzeug werden gleich mehrmals um die Taille geschlungen. Die Hemdchen trägt man in Schichten übereinander, in verschiedenen Farben, Längen und Materialien.
Das Nachlässige paart sich mit dem Prächtigen. Ob Basic, Fashion oder Couture, alles erhält den Zauber von etwas … das in der Stille strahlt.
Birgit Gräfin Tyszkiewicz